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Ulles Erwachen [fiktiv]

Ulles Erwachen [fiktiv]

Ulles Erwachen [fiktiv]

Langsam zog sich Ulle die Schlafmaske vom Gesicht, richtete sich im Bett auf und blinzelte. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, schaute er sich um: das war definitiv nicht sein Zimmer.

ulle

Er betrachtete die Schlafmaske in seinen Händen und überlegte, wo er sie wohl her haben mochte. „Die werden vom Hotel gestellt!“ antwortete eine Stimme aus richtung Tür. Eine nackte, etwa dreißigjährige Frau mit langem, schwarzgelocktem Haar lehnte im Türrahmen. „Was ist los mit dir?“ fragte sie, und trat in Richtung Bett. Erst jetzt bemerkte Ulle, dass auch er nackt war. „Was zur Hölle ist hier abgegangen?“ hörte er sich fragen. „Hatten wir etwa Sex?“ Die dunkelhaarige Schönheit lachte. „Willst du mich verarschen? Achso, so einer bist du. Ist das ein kleines Spielchen, das dich geil macht? Alles klar, dann spiele ich mit!“ Sie warf sich zu ihm aufs Bett, doch Ulle rückte so schenll er konnte an die Bettkante in Richtung Balkon und rollte sich auf den Boden ab. „Lass mich in Ruhe!“ rief er, „Das ist nichtmal mein Zimmer, ich kenn dich gar nicht, verdammt, ich will sofort hier raus!“ Beherzt sprang er auf, schnappte sich seine vor dem Bett verstreuten Klamotten und rannte zur Tür, die immer noch offen stand. Die Dunkelhaarige kuschelte sich in die Laken und lachte hysterisch. Wer war diese Frau? Und warum zur Hölle war sie nackt aus dem Flur gekommen, und nicht aus dem Bad? Ulle hatte keine Zeit zum Nachdenken, denn er machte, kaum war er auf den Flur hinausgerannt, die nächste Entdeckung, die ihm Unbehangen bereitete: das war nicht einmal sein Hotel. Langsam spürte er Panik in sich aufsteigen: er hatte nur seine Jeans und sein T-Shirt von gestern – seine Shorts, bemerkte er leise in sich hinein fluchend, hatte er bei seiner Flucht aus dem Hotelzimmer liegenlassen. Zurückzugehen war keine Option, er rannte einfach weiter den Flur entlang. Als er um die Ecke gebogen war, hielt er inne und lauschte zurück: das Lachen war verstummt, die Frau kam ihm nicht hinterher. Er zog seine Hose an – komisches Gefühl, so ganz ohne Shorts – und machte sich auf den Weg zur Rezeption. Das ganze Hotel glich einem Labyrinth, auch die Aufzüge fand er nicht und so benutzte er schließlich eine dunkle Treppe zum Erdgeschoss.

Komisch, es ist doch August, dachte Ulle. Warum ist hier niemand? Sind die alle schon am Strand? Es kann höchstens neun Uhr sein, wieso geht niemand zum Frühstück? Die Rezeption war menschenleer, kein Concierge weit und breit, keine An- oder Abreisenden und auch keine Hotelangestellten. Als wären er und die nackte Frau oben in dem Zimmer die einzigen Hotelgäste. „Hallo? Ola?“ rief Ulle. „Alguien aqui? Por favor?“ Keine Anwort. Er sah sich verstohlen um und schlüpfte hinter die Rezeption. Der Computer war aus, alles war perfekt aufgeräumt. Nicht einmal ein Post-It klebte irgendwo. Als wäre die Rezeption dieses Hotels noch nie benutzt worden. Ulle spürte erneut die Panik in sich aufsteigen. Wenn er und die hysterisch lachende, zugegebenermaßen gutaussehende aber ihm trotzdem suspekte Alte und er die einzigen in diesem Hotel waren, dann musste draußen etwas vorgefallen sein. Gab es im Atlantik Tsunamis? Eher nicht. Vielleicht eine Evakuierung wegen eines Erdbebens? Das hätte er doch mitbekommen. Keine Hubschrauber, keine Polizei, kein Militär, keine Auffälligkeiten, eine Evakuierung schloss Ulle aus. „Sonst hätte man doch gezielt nach der Tussi und mir gesucht…“ dachte Ulle laut. Er hatte keine Wahl, er musste nach draußen und sich umsehen. Eventuell konnte er jemanden finden, der Deutsch sprach, und sich ein Handy leihen, damit er zu Hause anrufen und irgend eine Lösung finden konnte. Schließlich hatte er auch keine Geldbörse. Nur seine Jeans und sein T-Shirt. „Shit,“ dachte Ulle, „ich hab noch nichtmal den Schlüssel zu meinem richtigen Zimmer im Casa del Mar!“ Irgendwie musste er dort hin kommen, vielleicht konnte er einen Taxifahrer überreden – keine Taxis. Kein einziges. Keine Autos, obwohl das hier ein sehr großes, zentral gelegenes Hotel war. Der Vorplatz war wie ausgestorben. Die Sonne knallte herunter, der Asphalt glitzerte. Ein paar Vögel zwitscherten, sonst war alles ruhig. Wieder stieg die Panik in Ulle auf.

May be continued.

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