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Was wirklich wichtig ist – öfter mal GOTT danken!

Was wirklich wichtig ist – öfter mal GOTT danken!

Was wirklich wichtig ist – öfter mal GOTT danken!

„Hier kann man ja niemanden reinlassen“ sage bzw. denke ich oft, wenn ich auf den kaputten, dreckigen, alten Teppichboden im Wohnzimmer schaue und mir eine Fee herbeiwünsche, die den Zauberstab schwingt und mir einen neuen Boden verlegt. Wir bekommen auch bald einen, einen Vinylboden. Endlich. Doch das geht natürlich nicht innerhalb von ein paar Minuten, da der alte Teppich raus muss, was mit Dreck verbunden ist (das sind Renovierungen immer). Und wenn wir schonmal dabei sind, wird auch gleich die Wand neu gemacht. Jedoch – wahrscheinlich erst im März.

Eine Fee, die es sofort macht, gibt es natürlich nicht. Und so starre ich den hässlichen Boden weiter an. Dieser Raum wurde 2008 renoviert, und für einen Boden hatte es leider nicht mehr gereicht – der alte war im Übrigen auch noch gut (gewesen, damals).

Jetzt, fast neun Jahre später, sieht die Sache anders aus. Ebenso die Wände. Mein Mann ist Maler und hat sein Bestes getan, dennoch nagt überall der Zahn der Zeit und zudem ist das hier der „Rauchersalon“. Weiß bleibt im Rauch nicht Weiß, Frühlingsgelb wird immer mehr zu einem, ähm, Brunzgelb, und das Stucco Venetiano (hellgrün) an der Rückwand von meinem „Home Office“ (der Schreibtisch war ein Fehlkauf) ist beschädigt, weil ich Tesa draufgeklebt habe…

Die Farbkombi gelb-grün-weiß war mal richtig frühlingshaft und kam auch bei Besuchern gut an, aber ich kann sie mittlerweile einfach nicht mehr sehen! Außerdem ist die Heizung hässlich, aber eine Abdeckung bauen will ich nicht, da sonst wertvolle Zentimeter vom Raum fehlen, außerdem verteilt sich die Wärme dann schlechter…

Im Gang war ja auch so ein schrecklicher Teppichboden, der so gefusselt hat, dass das Bad jeden Tag mit einer leichten, dunkelblauen Gangteppichbodenfaser-Schicht bedeckt war. Lasst mich nicht lügen – 2014 hat Martin im Gang Laminat verlegt. Die Wandfarben liebe ich (zwei kräftige Türkistöne, von einem Weißen Strich unterbrochen, der genauso breit ist wie die geschwungenen Hängelregale an der Wand, die als Ablage dienen), aber was fehlt, fehlt einfach: weiße Fußleisten. Wir wollten ein gewisses Holz, hatten es nicht, und so gingen schon wieder die Jahre ins Land…

Und so ließen sich noch weitere Punkte finden, wieso ich hier einfach niemanden reinlassen „kann“….

STOP!

Vorhin hab ich innerlich STOP gesagt, als mir das mal wieder durch den Kopf gegangen ist und ich mich bemitleidet habe, weil ich eine alte Freundin, die ich jahrelang nicht gesehen habe und mit der ich gerne wieder öfter was zu tun hätte, nicht hier her einladen kann – aufgrund der „Wohnverhältnisse“. Zufällig ist ihre Schwester ebenfalls eine alte Freundin, die ich jahrelang nicht gesehen habe und mit der ich gerne wieder öfter etwas zu tun hätte, und auch ihr wollte ich den Teppich nicht zumuten.

Ich hab dann versucht, rauszufinden, woran das liegt, denn ich hab einfach im Gefühl, dass fehlende Fußleisten das letzte sind, wonach nicht nur die beiden Schwestern, sondern eigentlich jeder normale Mensch mich beurteilen würde.

„Jetzt bist du fast 32 Jahre alt und hast es einfach ZU NICHTS gebracht, das sieht man an deinem dreckigen Teppich und den fehlenden Fußleisten ganz deutlich!“

„Man muss schon arg ignorant sein, um in einem solchen Farbschema überleben zu können!“

Mein innerer Kritiker wollte mich auffressen.

Dann hab ich an die Kälte gedacht.

An die Menschen im Flüchtlingsheim, die einfach keine Privatsphäre mehr haben, die in einem (sorry) Scheiß-Container wohnen müssen.

Und an den Obdachlosen im Städtischen Klinikum, dem ich, als mein Vater noch lebte, einen Euro gab. Nur einen Euro (mann!).  Der lebte in keinem Container, ein paar Tage später haben wir ihn schlafend auf einer Treppe am Torbogen, wo’s auf das Klinikgelände geht, liegen sehen. Ich habe noch gesagt „Man sollte Iso-Matten spenden.“

Notiz an selbst: rausfinden, wo man Isomatten für Obdachlose spenden kann.

Ich glaube ihr merkt schon, worauf ich hinaus will.

Als ich mit meiner innerlichen „Hier kann man einfach niemanden reinlassen“-Tirade fertig war, habe ich folgendes gemacht:

Ich habe GOTT gedankt.

GOTT gedankt für das Haus, mit Heizung, Strom, Wasser, Internet.

GOTT gedankt für die vielen, vielen Dinge, die mir das Leben leichter machen. Die ich als selbstverständlich ansehe, aber die so viele Menschen auf der ganzen Welt entbehren.

Dann habe ich den frisch geleerten Mülleimer von der Straße geholt und GOTT gedankt, dass wir eine Müllabfuhr haben.

Was jucken GOTT meine Fußleisten? Oder mein Teppich?

Wird die Welt besser, wenn mein Wohnzimmer einen anderen Boden hat?

Ja, vielleicht „kommt es scheiße“ bei einigen Leuten, wenn sie den Teppich sehen. Aber Leute, die mich nach dem Zustand meines Teppichbodens beurteilen, will ich sowieso gar nicht im Haus haben!

* Ich hab jetzt doch ein Bild hochgeladen, ein Paneel von dem neuen Boden haben wir ja schon da… Er ist auch grau, wie der Teppich. Ich kann euch gar nicht sagen wie unsagbar ich mich auf den neuen Boden freue!

 

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